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Siebdrucktransfer / Transferdruck

Anleitung für Transferdruck

Was ist Transferdruck?

Transferdruck bzw. Siebdrucktransfer ist ein Verfahren, bei dem das Motiv per Siebdruck zunächst spiegelverkehrt auf ein beschichtetes Transferpapier bzw. eine Transferfolie gedruckt wird. Auf die noch feuchte Farbschicht wird dann direkt nach dem Drucken ein pulverförmiger Schmelzkleber aufgetragen, der den Druck dann später mit dem Textil verkleben wird. Diesen Pulverkleber lässt man kurz per Hitzeeinwirkung zusammen mit der Farbschicht angelieren und wieder aushärten. Die so vorbereiteten Transfer-Bögen können nun für lange Zeit platzsparend eingelagert werden. Bei Bedarf nimmt man die Bögen dann und presst die Motive mit einer Transferpresse auf die ausgewählten Textilen.

 

Anwendungsbeispiel: Transferdruck auf Babybody, Mütze und Hoodie
Druck mit durchsichtiger hot-peel Transferfolie

Warum ist Transferdruck so attraktiv?

Transferdruck mag auf den ersten Blick nach einem unnötigen Zwischenschritt aussehen. Man könnte die Textilien ja schließlich auch direkt bedrucken. Denkt man aber einen Schritt weiter, wird klar, dass genau dieses Verfahren für viele Onlineshop-Betreiber, Labelinhaber, Ladenbesitzer, Sportausstatter, Textilveredler oder Modemacher eine platzsparende, effektive und kostengünstige Option bzw. Ergänzung ist. Textilien müssen nämlich nicht blind im Voraus bedruckt werden, sondern können nach Bedarf verpresst werden. In Sachen Optik, Haptik und Haltbarkeit steht ein gut gemachter Transferdruck dem „echten“, direkten Siebdruck übrigens in fast nichts nach.

 

Anwendungsbeispiele aus der Textildruck-Praxis

Beispiel 1: Flexibler Verkauf bei Events, Messen oder auf Märkten

Ihr macht einen Stand auf einem Konzert, DIY-Markt, einem Festival oder einer Messe, um dort eure Textilien zu verkaufen. Ihr habt in eurem Fahrzeug aber nur begrenzt Platz und könnt nicht hunderte oder sogar tausende von vorgedruckten T-Shirts/Hoodies usw. in allen Farben und Größen mitnehmen. Ihr nehmt also nur ein Grundsortiment an T-Shirt-Rohlingen in den gängigen Bestseller-Größen und Farben mit und presst eure Motive einfach direkt vor Ort und je nach Kundennachfrage auf die Textilien. Ein Stapel mit Transferbögen kostet am Ende in der Produktion sehr wenig, passt in eine kleine Kiste und ermöglicht euch dennoch, das gesamt Sortiment an Motiven vor Ort anzubieten. Außerdem wird mit Transfers vermieden, dass schwergängige Ladenhüter vorgedruckt werden, die ihr am Ende nur wieder über den Rabatt-Sale verkaufen könnt.

Beispiel 2: Just-In-Time-Versand über Onlineshops bei minimalem Textillager

Ihr betreibt einen Onlineshop und habt eine Kollektion mit neuen Motiven ins Sortiment genommen. Ihr wisst aber noch nicht, welche Motive die Runner werden und welche Motive nur wenige Male pro Woche in den Verkauf gehen. Würdet ihr gleich alle Motive großzügig in allen Farben und Größen vorproduzieren, hättet ihr rasch hunderte oder tausende bedruckte Textilien auf Lager. So ein Textillager kostet aber zum einen Geld und zum anderen bedarf es auch einiges an Platz. Wenn ihr hier Transfers als Ergänzung nutzt, dann könnte ihr euer Textillager auf das Nötigste beschränken. In gut laufenden Onlineshops ist es oft so, dass die beliebten Motive, die ohnehin ständig verkauft werden, im direkten Siebdruck bedruckt werden. Motive, die hingegen seltener an Kunden rausgehen, werden oft als Siebdrucktransfers vorproduziert und erst dann auf ein T-Shirt gepresst, wenn sie auch tatsächlich verkauft wurden.

Beispiel 3: Bessere Druckergebnisse auf "schwierigen" Textilien

Wenn man extrem fusselige Stoffe oder z.B. Textilien mit grober Gewebestruktur glatt deckend bedrucken will, dann kann das im direkten Siebdruck eine Herausforderung sein. Transferdruck ist hier oft die einzige Option einen ebenmäßigen, schönen Druck umzusetzen. Denken wir ebenfalls an Textilien mit Taschen, Kordeln, Knöpfen oder dicken Nähten. Im direkten Siebdruck wird der Druck oft nur mit viel Aufwand möglich. Hier ist der Transferdruck dann im Regelfall die Rettung.
 

Wie genau man hochwertige und haltbare Siebdrucktransfers herstellt und was man dazu braucht, werden wir in dieser Schritt-für-Schritt Anleitung erklären. Wer dennoch noch offenen Fragen hat, kann sich gern via E-Mail oder Telefon an uns wenden.
 

Vorbereitung der Siebe für den Transferdruck

Um Transfers später deckend auf dunklen und mittelfarbige Textilien aufzubringen, empfehlen wir für den Druck zunächst die Verwendung von 43T oder 47T Siebdruckrahmen. Sollen die Transfers später ausschließlich auf helle Textilien gepresst werden, dann können auch 55T oder 61T Rahmen verwendet werden.

Da Transfers einen hohen Farbauftrag verlangen, braucht es neben grobem Gewebe auch eine möglichst satt aufgetragene Fotoemulsionsschicht. Hier sei die FLX SCREEN Emulsion empfohlen. Mit der runden Seite unserer doppelseitigen Beschichtungsrinne wird diese 2x auf der Druckseite und 1x auf der Rakelseite aufgetragen.

Wurden die Siebe wie eben beschrieben beschichtet und getrocknet, geht es wie gewohnt an die Belichtung. Es gibt aber noch einen wichtigen Unterschied zum direkten Siebdruck zu beachten. Die Belichtungsfilme werden horizontal spiegelverkehrt angelegt und auch spiegelverkehrt belichtet.

 

Motiv spiegelverkehrt anlegen und mit hoher Auflösung drucken
Ausdruck auf einem MICRONOM PRO Belichtungsfilm für Inkjetdrucker

Druck auf Transferpapier bzw. Transferfolie

Der Druck auf Transferpapier ist genauso einfach wie der direkte Siebdruck. Die Siebdruckmaschine wird zunächst wie gewohnt mit einem Absprung von 2-4 mm eingestellt. Die Transferbögen werden dann auf der Druckplatte der Maschine befestigt. Bei kleinen und mittleren Auflagen werden die Bögen dazu einfach mit einer feinen Schicht Sprühkleber rutschfest an der Druckplatte fixiert. Ansonsten kommen Vakuumplatten in Frage.

Gedruckt wird im Regelfall mit unseren hochdeckenden PLAST PF Plastisolfarben der OPAQUE SERIES. Gerakelt wird ganz normal mit einem 70-Shore-Rakel. Wie üblich wird nach dem Prinzip: Fluten, rakeln und nachrakeln gearbeitet. Bei einfarbigen Transfers wird der Bogen direkt nach dem Druck mit unserem INVOTRANSFER Schmelzkleber-Pulver bestreut. Da die Plastisolfarbe nach dem Drucken ja nicht getrocknet wurde, ist die Farbe noch feucht. Der aufgestreute Kleber wird also auf der feuchten Farbe haften bleiben. Ist das komplette Motiv mit Kleber bedeckt, wird der überschüssige Transferkleber nun vom Transferbogen entfernt. Hier darf geklopft, geschüttelt oder von Hinten an den Bogen geschnippst werden, bis das Pulver komplett vom Bogen entfernt wurde. Wer gut ausgestattet ist, kann sich auch gern mit Druckluft helfen.

 

Mit PLAST PF Plastisolfarbe fluten, im hochgestelltem Winkel rakeln und nachrakeln
Spiegelverkehrter Druck auf HPX-Transferfolie
Pulverförmigen INVOTRANSFER-Kleber direkt auf den feuchten Druck streuen
Den Schmelzkleber möglicht flächig auftragen
Kleber solange verteilen bis alle Stellen des Drucks bedeckt sind
Kleberreste abklopfen und für die nächsten Bögen sammeln
 

Hinweis für Fortgeschrittene

Auch der Druck von mehrfarbigen Transfers ist möglich. Hierbei wird jede Farbe gedruckt und danach kurz angetrocknet. Über das gesamte Motiv wird dann zum Schluss Flashweiß oder Plast PF Farblos gedruckt, ohne dass getrocknet wird. Diese letzte Schicht wird schließlich mit Transferkleber bestreut. Möglich ist übrigens auch der Transferdruck mit wasserbasierten Farben, wenngleich er in der Praxis auch seltener ist. Das Prinzip ist hier nahezu identisch. Bei Fachfragen bitte direkt melden. Tel.: 0391/24358753

 

Transferkleber gelieren

Wurde der Transferkleber flächig aufgetragen, geht es an das Gelieren des Klebers und der Farbschicht. Das Gelieren sollte je nach Art des Transferklebers bei der vorgegeben Temperatur erfolgen. Sollte unsere INVOTRANSFER-Schmelzkleber verwendet werden, so wird bei 95 bis 115°C. Das Gelieren kann mit einer Heißluftpistole, einem Flashtrockner oder einem Trockentunnel erfolgen. Ziel ist es, dass die Farbe geliert und somit angehärtet wird. Gleichzeitig soll der Schmelzkleber seine salzartige Konsistenz verlieren und auf dem Druck leicht zerlaufen und dann wieder (halb)transparent erkalten. Gute gearbeitet wurde, wenn sich der Kleber noch immer rau anfühlt, sich aber keine Granulatkörner mehr lösen. Gleichzeitig sollte die angeschmolzene Kleberschicht unter der Lupe aber ehr wie ein Reibeisen und weniger wie eine glänzende Orangenhaut aussehen. Der simple Vorab-Test: Ein perfekt gelierten Transfer kann mit dem Finger komplett und nahezu restlos vom Transferbogen abgezogen werden, ohne dass die Farbe des Transfers noch feucht ist und Farbreste an den Fingern hinterlässt. Hat man noch feuchte Farbe an den Fingern, ist das ein Zeichen dafür, dass die Gelierung noch nicht abgeschlossen war. Zerstört man den Transfer beim Versuch, ihn vom Papier zu ziehen oder hat man Schwierigkeiten, den Transfer überhaupt vom Transferpapier zu lösen, dann wurde zu lang bzw. zu heiß geliert und man hat die Farbe verbrannt.

 

Transferbogen unter dem Flashtrockner gelieren
Einsatz der Temp-Gun zur Temperaturkontrolle beim Gelieren
Alternative zum Flashtrockner / Trockentunnel: Transferkleber mit Heißluftpistole gelieren
Angeliert wird, bis der Schmelzkleber leicht verlaufen ist
 

Hinweis zur Haltbarkeit von fertigen Transferbögen

Wurden die Bögen erfolgreich geliert, sind sie lagerfähig und zum platzsparenden Verstauen bereit. Werden die Bögen trocken und bei geringer Luftfeuchtigkeit gelagert, sind sie 2 Jahre haltbar.

 

Aufbringen der fertigen Transferbögen mit einer Transferpresse

Zuerst wird das Textil kurz vorgepresst, um Restfeuchtigkeit entweichen zu lassen und Falten wegzubügeln. Die Bögen werden anschließend auf dem Textil positioniert und dann werden Sie mit Hilfe einer Transferpresse bei 4-5 Bar aufgepresst. Benutzt man unseren beliebten INVOTRANSFER-Kleber wird mit mittlerem Anpressdruck bei 130 bis 160°C für etwa 8 bis 12 Sekunden gepresst. Nutzt man in Kombination unser bewährtes, kostengünstiges und viel eingesetztes CPX2 Cold-Peel-Transferpapier, muss der Druck erst abkühlen, bevor man die Folie abziehen kann. Setzt man hingegen unsere hochwertige, durchsichtige HPX Hot-Peel-Transferfolie ein, dann wird der Druck noch heiß und sofort nach dem Pressen abgezogen. Um die Optik und Haltbarkeit positiv zu beeinflussen, pressen manche Drucker die fertigen Drucke noch einmal für 3 Sekunden mit einer Teflonmatte bzw. mit Backpapier nach.

 

Transferbogen zur besseren Positionierung zurechtschneiden
Bogen mit bedruckter Seite nach unten auf dem Textil ausrichten
Transfer bei 130 - 160°C auf das Textil verpressen
Transferpresse nach 8 bis 12 Sekunden öffnen
Trägermedium je nach Typ kalt oder heiß abziehen
Fertiger Transferdruck mit siebdruckähnlicher Haptik und Optik
 

Waschempfehlung

Textilien mit Transferdrucken sollten auf links bei 40°C bis 60°C gewaschen werden. Um ein Gefühl für den Transferdruck und die Haltbarkeit zu entwickeln, empfehlen wir am Anfang eigene Waschtests durchzuführen. Transfers, die korrekt mit unseren Farben und Schmelzklebern hergestellt wurden, sind im Regelfall nicht nur extrem waschbeständig sondern auch gut geeignet für Wäschetrockner. Wer defensiv denkt und vom schlimmsten Anwendungsfall ausgeht, sollte die Trocknung per Wäschetrockner aber bei den Pflegehinweisen ausschließen, da hier z.T. Temperaturen von 100°C erreicht werden können.

 

Schritt-für-Schritt Videoanleitung zum Erstellen von Transfers

 

Materialübersicht: Was brauche ich für den Transferdruck?

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